Die Spieldose

Oper von Robert Hanell


Spieldose
Noelle (Bettina Straub) freut sich auf Pierre (Andreas Jören), hinter der Tür Paul (Hans-Jürgen Zander)



Georg Kaiser zeigt in seinem Schauspiel die bis in persönliche Bindungen hinein wirkende Zerstörungskraft des Krieges. Gleichnishaft wird die Tragödie dreier Menschen erzählt. Sie verdeutlicht, daß Schuldigwerden am anderen kein Glück begründen kann.
Robert Hanell, lange Jahre Dirigent der Komischen Oper und des Großen Rundfunkorchesters Berlin, komponierte 1949/50 seine Oper, die seit ihrer Uraufführung 1957 weit über 30 Inszenierungen erlebt. Er kürzt den Text von Kaiser und kleidet ihn vorwiegend in Sprechgesang. Die vokale Schlichtheit ist mit einem Orchester, das szenisch genau und emotional stimmungsvoll das Geschehen ausdeutet, verbunden. Die "Spieldose" ist ein Beispiel für die musikdramatische Gestaltung von Konflikten, in denen sich – wie einem Brennspiegel – die Realität menschlicher Existenz offenbart.





Spieldose

Hans-Jürgen Zander und Bettina Straub



Besetzung

Musikalische Leitung: Jörg Iwer
Inszenierung: Markus Schuliers
Ausstattung: Peter Kothe

Pierre Chaudraz - Andreas Jören
Noelle - Bettina Straub
Paul Chaudraz - Hans-Jürgen Zander
Parmelin - Hans-Arthur Falkenrath


Spieldose
Hans-Arthur Falkenrath überbringt als
Bürgermeister Parmelin die schlechten Botschaften


Interview mit Robert Hanell am 17. Mai 1999

(Mit dem Komponisten sprach der PR- Manager des Theaters Dr. H.Gorgs)

G.: Herr Hanell, 42 Jahre nach ihrer Entstehung hat Ihre dritte Oper "Die Spieldose" am 19. Juni 1999 in unserem Wittenberger Theater Premiere. Können Sie den Lesern des Stadtmagazins und den Wittenberger Theaterfreunden etwas zu diesem Werk sagen, natürlich ohne allzuviel von seinem Inhalt zu verraten.

R.H.: Während meiner Zeit als Kapellmeister am Meininger Theater wurde dort Georg Kaisers gleichnamiges Schauspiel aufgeführt. Der Stoff und vor allem die ungeheure innere Dramatik haben mich sofort fasziniert, und ich wußte fast augenblicklich, das mußt du musiktheatralisch verarbeiten. So entstand 1949/50 diese Oper. Aber Sie wissen ja wie das so mit neuen Stücken ist. Oft bleiben sie lange liegen, und nicht selten ist es mehr oder weniger zufällig, daß ein Intendant oder Regisseur auf solch ein Stück stößt und ihm zum Leben auf der Bühne verhilft. In meinem Falle war es der Intendant des Erfurter Theaters, der Kenntnis von meiner Oper hatte, und auf der Suche nach der Möglichkeit einer Uraufführung war. Ja, und 1957 war es dann soweit: Uraufführung in Erfurt.

G.: Wie wurde die Oper denn vom Publikum aufgenommen ?

R.H.: Die Resonanz war sehr groß. "Die Spieldose" wurde an nahezu allen Theatern in der DDR gegeben und neben Paul Dessau´s "Verurteilung des Lukullus" zur damals meistgespielten zeitgenössischen Oper. Die Presse bezeichnete beide Werke als die einzig echten Antikriegsstücke.

G.: Als das Mitteldeutsche Landestheater das Werk in den Spielplan aufnahm, war nicht abzusehen, von welch brennender Aktualität es seien würde.

R.H.: Das ist richtig, und ich bin sehr froh darüber, daß die Oper hier und zu diesem Zeitpunkt aufgeführt wird. Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, mich von der Qualität Ihres Orchesters zu überzeugen und weiß das Stück in guten Händen.

G.: Die ganze Handlung spielt während des Krieges in einer bretonischen Bauernstube und wird von nur vier Personen getragen. Liegt darin nicht eine besondere Schwierigkeit?

R.H.: Das ist zweifellos richtig. Es stellt schon eine große Herausforderung an die Regie dar, die Intimität des begrenzten Spielraums nicht zu zerstören und die Intensität und dennoch gewisse Verhaltenheit der Sänger zum Tragen zu bringen.

G.: Über Musik soll man zwar nicht reden, sondern sie hören, aber vielleicht dennoch ein paar Worte zur musikalischen Gestaltung.

R.H.: Das Stück verträgt kein Riesenorchester, eher ein erweitertes Kammerorchester aber mit vollständiger Instrumentation Bei den Solisten verzichtete ich bewußt auf den Einsatz eines Tenors, weil ich der Meinung war, daß die ungeheure Vielschichtigkeit der darstellerischen Aufgaben besser von "normalen" Männerstimmen zu bewältigen sei. Ich habe versucht, der expressiven Sprache Georg Kaisers eine musikalische Farbe entgegen zu setzen, die eher impressionistische Züge trägt. Auf seinerzeit moderne Stilmittel wie Atonalität oder Zwölftönigkeit habe ich ebenfalls sehr bewußt verzichet.

Die "Spieldose" ist sicher kein Applausstück, der Zuschauer bzw. -hörer soll sich ergreifen lassen und meine Musik soll den Text erlebbar machen, Gefühl und Verstand sollen gleichermaßen angesprochen werden.

G.: Herr Hanell, der Weg Ihres künstlerischen Wirkens ist sehr lang. Er führte Sie über die Arbeit an den Theatern in Zwickau, Meiningen, Gera, Görlitz an die Komische Oper Berlin und zum Chef des Großen Rundfunksinfonieorchesters Berin. Gastspiele und Konzerte führten Sie an viele bedeutende Häuser in aller Welt. Hat es sie nie gereizt, eine Ihrer dreizehn Opern selbst zu dirigieren?

R.H.: Nein, prinzipiell nicht, denn ich bin der Auffassung, ich brauche einen gewissen Abstand und ein gutes künstlerisches Werk muß seine Eigenständigkeit wahren, egal wer es gut dirigiert.

G.: Herr Hanell ich danke Ihnen für das Gepräch und wir freuen uns auf Ihren Besuch in Wittenberg.







Die Spieldose

Das Schauspiel "Die Spieldose" wurde 1949 in Wittenberg aufgeführt.
Die Noelle spielte Ilse Kallenbach.