Nach Hause

Schauspiel von Ljudmila Rasumowskaja

Das Mitteldeutsche Landestheater präsentiert im Glanz der modernisierten Studiobühne für Kinder und Jugendliche ein neues Schauspiel: „Nach Hause“. Das Stück wurde von der in Sankt Petersburg lebenden Dramatikerin Ljudmila Rasumowskaja im Jahre 1994 geschrieben und von Ganna-Maria Braungardt ins Deutsche übersetzt.

Gezeigt wird die trostlose Lebenswelt gesellschaftlicher Außenseiter im Rußland der Gegenwart, die besonders tragisch ist, da es sich um eine Gruppe Jugendlicher handelt, für die sich niemand verantwortlich fühlt. Sie wohnen im Keller eines unbewohnten Hauses in Sankt Petersburg, kämpfen alltäglich um ihre Existenz, und müssen Probleme lösen, die sie nicht lösen können.

Der 15jährige Wenka (Andreas Edelblut) möchte in einem Kloster leben, die 17jährige Shanna (Danielle Gaubatz) kann das Leben auf dem Strich nicht länger ertragen, die 15jährige Tanka (Kirsten Hildisch) ist schwanger und träumt vom Leben als Hausfrau und Mutter. Die Geschwister Zwilling (Patrick Eplinius/Martin Schicketanz) und Foma (Robert Häselbarth/Bruno Reichenbach) sind dem Kinderheim entlaufen. Lumpi, der älteste der Gruppe, (Jakob Köhn) und Wichse (Dimo Wendt), zwei flüchtige Schwerverbrecher, halten die Gruppe in Schach. Auch Mikes (Georg Andersch) Traum vom Musikmachen anderswo zerbricht?

Ljudmila Rasumowskaja beunruhigt der Verfall von Kultur und Moral in Rußland: „Wir können Gut und Böse nicht mehr richtig unterscheiden (...) die Unterscheidung selbst läßt uns inzwischen gleichgültig (...) Wir muten uns zu, in einer Atmosphäre zu leben, die von Rohheit, Aggressivität und Menschenverachtung bestimmt wird. Wir fühlen uns schuldig, weil wir leben(...)“ (in einem Interview 1986)

Ljudmila Rasumowskaja beschreibt die Zustände in Rußland als ein Bild einer entwurzelten, verlorenen, im Stich gelassenen Jugend, die ohne Hilfe zerbrechen muß. Für diese Inszenierung wurden jugendliche Darsteller gefunden. Die Jungen aus Wittenberg spielen Foma, Zwilling und Mike. Clara Widmer führt Regie, Hans Ellerfeld übernahm die Ausstattung.

Von Maxim Gorkis "Nachtasyl" angeregt, gibt die Autorin eine genaue Milieu-Studie über Kinder und Jugendliche, die von der Gesellschaft aufgegeben werden. Finden sie dennoch einen Platz? Ist ihr Abgleiten in die Kriminalität unvermeidlich? Bietet die Religion, der Glaube an Gott, wie Wenka hofft, einen Ausweg?

Nach Hause

Robert Häselbarth als Foma und Patrick Eplinius als Zwilling













Nach Hause
Jakob Köhn als Lumpi, Danielle Gaubatz als Shanna und Dimo Wendt als Wichse






Besetzung

Inszenierung: Clara Widmer
Bühnenbild / Kostüme: Hans Ellerfeld
Inspizient: Dieter Beck
Regieassistent: Dirk Lüdicke

Shanna - Danielle Gaubatz
Mike - Georg Andersch/Bruno Reitenbach
Lumpi - Jakob Köhn

Tanka-Rotfuchs - Kirsten Hildisch
Foma - Robert Häselbarth/Bruno Reitenbach/Martin Schicketanz
Zwilling - Patrick Eplinius/Martin Schicketanz
Wenka-Mönch - Andreas Edelblut
Engel - Elke Schuhrk
schwarzer Engel - Barbara Schüler



Nach Hause

Kirsten Hildisch als Tanka-Rotfuchs