Theaterfotografie – Benimmregeln (von 2000)
Störfaktor Fotograf
Als Theater- und Bühnenfotograf müssen Sie sich im Klaren sein: Sie stören. Diese Störung gilt es zu minimieren. Als
Gegenposition könne man sagen, der Künstler müsse das ab können, weil das Publikum auch manchmal störe. Manch ein
Theaterfotograf versteht sich als eine Art Trainer in Sachen Konzentrationssteigerung. Vertreter dieser Ansicht sollten
unbedingt einmal das Gespräch mit Künstlern suchen.
Zuschauer dürfen während Theatervorstellungen nicht fotografieren. Das verbieten die Theater, um Urheber-, Leistungsschutz-
und Persönlichkeitsrechte zu schützen. Und es verbietet der Anstand, weil es nicht nur die Darsteller, sondern auch dem
Publikum stört.
Theaterfotos entstehen in Fotoproben. Diese Proben müssen mit Regie und Ausstattung abgestimmt und den Darstellern bekannt
sein. An einigen Häusern gibt es Proben, bei denen die Darsteller ausschließlich für die Fotografen Theater spielen. An
anderen Häusern werden die Haupt- und Generalproben zu Fotoproben erklärt.
Bei Rock- und Klassikkonzerten fotografieren bestellte Fotografen auch während der Vorstellung. Zuschauer und Hobbyfotografen
müssen auch hier die Urheber-, Leistungsschutz- und Persönlichkeitsrechte beachten. Und das heißt fast immer: Fotografieren
verboten.
Die nachfolgenden Benimmregeln gelten für das Fotografieren bei Konzerten, vor allem aber für die Fotografie von Haupt- und
Generalproben in Theatern:
Blitzlicht aus! Nicht nur, dass die Blitzerei stört. Sie brechen in die Intimsphäre des Künstlers ein, wenn sie seine
Zahnplomben aufhellen und fotografieren oder ihn mit rot geblitzten Augen lächerlich machen.
Dunkle Kleidung! Dunkle Kleidung reflektiert das Licht nur wenig. Der Fotograf steht weniger im Blickpunkt.
Gespräche vermeiden! Auch wenn es der Künstler nicht hört, er sieht alles im Zuschauerraum. Deshalb Kollegengespräche und
Absprachen mit Regie und Technik nach ganz hinten oder ins Foyer verlegen.
Technik optimieren! Dort, wo piano (leise) angesagt ist, muss auch die Fototechnik piano sein. Zwischen den Kameramodellen
gibt es Unterschiede. Klickräusche lassen sich nicht 100%ig vermeiden, Autofocusgeräusche, durch ausschalten, und
Rückspulgeräusche, durch wegtreten, schon.
Der heikelste Punkt ist der: Ein Fotograf der nicht stören will, wird kaum gute Fotos hingekommen. Die Fotografenregel
– je näher, je besser – gilt auch vor und auf der Bühne. Fotografen, die sich hemmungslos vor den Künstlern
positionieren, sind bei Zeiten unbeliebt. Hier wird Sensibilität vom Fotografen verlangt. Das richtige Maß ist entscheidend.
Nicht zu viel. Aber auch nicht zu wenig!
Es macht sich gut, wenn der Fotograf das Stück und die Inszenierung gut kennt. Bevor die entscheidende Szene kommt –
etwa der Dolchstoß oder ein Kuss – steht, hockt oder liegt der gute Fotograf bereits an der besten Stelle. Peinlich,
wenn er erst los stürzt, wenn Tells Apfel bereits auf dem Kopf liegt oder Dornröschens Hand nach der Spindel greift.
Ein Tipp: Künstler legen sehr viel wert darauf, dass ordentliche Fotos von ihnen gemacht werden. Deshalb sind Fotografen
nicht soetwas wie ein natürlicher Feind des Künstlers. Ein gutes partnerschaftliches Verhältnis macht die Arbeit leichter.
Ich habe es oft erlebt, dass Sänger und Schauspieler besonders gut und lange posieren, wissen sie eine Kamera in ihrer Nähe.
Ihre Gedanken dabei sind: Nun drücke schon ab!
Das sollten Sie nutzen. Drücken Sie ab – und viel Spaß dabei!
(Stand: Juni 2002)
Archiv
Theaterfotografie Technik
Theaterfotografie Digital
Theaterfotografie Gestaltung
Theaterfotografie Kniggge